
Der Hafen, wie er überall im Land beworben wird
So ging es dann sonntagsfrüh auf zum Hafen. Wir fuhren in einem Nissan, der leider kein Geländewagen war, dafür aber Benzin im Tank hatte. Der erste Teil der Reise ging über einen Gebirgskamm und schon bald erreichten wir die Ebene. Ich war verwundert und erfreut über die breite neue Straße, die vor uns lag. Hier fahren also die großen Exportgüter-transportierenden Trucks entlang, dachte ich stolz. Ich fand es nur komisch, dass wir weit und breit das einzige Auto waren. Nach ca. 10km hörte die tolle Straße auf und ging in eine sandige und sehr löchrige Schotterpiste über. Hier sollen also die großen Exportgüter-transportierenden Trucks entlang fahren, dachte ich enttäuscht. Die Piste erstreckte sich über 100km lang. Den größten Teil säumten riesige Zuckerrohrfelder den Weg. Hier unten stellt der Ilovobetrieb nämlich Zucker her, auch ein wichtiges Exportgut und somit gehören diese Zuckerrohrfelder zu den wenigen kommerziellen Großfarmen. Das erkannte man auch daran, dass überall Securitys in Wachhäusern saßen, die Felder umrundet waren von Bewässerungsgräben und große Sprenger die Felder düngten und bewässerten. Nach drei Stunden Fahrt kamen wurde die Straße wieder neu, breit und gut geteert. Wir mussten ihr und den riesigen Werbeplakaten, die den Hafen als DEN Schritt Malawis in eine wohlhabende Zukunft anpriesen, nur folgen und dann erreichten wir Nsanje und den Hafen...
Ich dachte zuerst, wir haben uns verfahren. Kann ja gar nicht sein, dachte ich. Wir wollten doch zum Weltinlandshafen. Aber wir waren tatsächlich am Ziel. Der Nsanje Binnenhafen besteht aus einem ca. 100 Meter langen Betonsteg und...nichts und. Das war es. Wo waren all die Verladekräne, wo waren all die Container, wo waren all die Hafengebäude und sonstiges. Und vor allem wo waren die ganzen Schiffe??? Ein winziges Schiff war an den Steg getaut und das war es. Wir konnten es nicht fassen. Nach ein paar Fotos, einem Mittagssnack (selbstmitgebracht, den dort gab es ja nichts) und einem Gespräch mit den Hafenmitarbeitern (ein alter Mann auf einem Stuhl unter einem Baum) ging es wieder drei Stunden zurück nach Blantyre/Limbe. Als der Ausflug hat sich echt gelohnt und das meine ich sogar ernst. Er hat sich gelohnt, weil ich die Wahrheit mit eigenen Augen gesehen habe und außerdem hat er sich gelohnt, weil ich mir die Anstrengung mit einem Minibus nach Nsanje zu tuckern gespart habe.

Der Hafen, wie er in Wirklichkeit aussieht
Meine Reise ging am Montag weiter nach Mulanje, berühmt durch die Mulanje Mountains, ein 750km² großes Bergmassiv. Dort sind auch einige ziemlich Berge, wie der Mount Sapitwa, der mit seinen über 3000m der höchste Berg Zentralafrikas und der dritthöchste (ich dachte immer der zweithöchste, aber ok) Berg ganz Afrikas. Ich machte dort meine zweite Couchsurfing-Erfahrung in einer vierer Jungs WG, alles Weltwärts-Freiwillige. Das Weltwärts-Programm kann man mit einem freiwilligen, sozialem Jahr vergleichen. In ganz Malawi gibt es 50 Freiwillige, nicht schlecht für so ein kleines Land. Es war etwas eigenartig mal wieder Deutsch zu sprechen. Die Jungs waren auch hervorragende Gastgeber und so revanchierte ich mich mit einer selbstgemachten Avocadocreme, meine allererste, die aber in den höchsten Tönen gelobt wurde, auch mir hat sie geschmeckt. Ich konnte mir auch ein Fahrrad leihen und so habe ich eine ausgiebige Fahrradtour am Fuße des Mulanje Massivs gemacht. Ich bin eine kleine ungeteerte Straße entlang gefahren, durch kleine abgeschiedene Dörfer, Teeplantagen (wo Teepflücker 12Stunden pro Tag arbeiten und dabei 70cent verdienen) und Maisfelder. Zuerst war ich sehr glücklich mit meiner Gangschaltung, aber es war extrem warm und so entschloss ich mich dazu, nur noch bergab zu fahren. Berg auf hieß es dann schieben. Ein besonderer Spaßwar es an einer Dorfschule vorbeizufahren. Die Kinder hatten wohl gerade Schulschluss und gingen nach Hause. Sie ließen es sich natürlich nicht nehmen, den Mzungu auf dem Fahrrad zu einem Wettrennen herauszufordern und einige Kinder liefen tatsächlich über Kilometer neben mir her. Irgendwann sah ich dunkle Regenwolken und kehrte um. Ein Regenguss auf dieser Straße wäre sicherlich tödlich geworden. Ich schaffte es tatsächlich bis 200 Meter vors Haus, bis der Wolkenbruch losging und ich komplett durchnässt wurde. Abends stellte ich dann mit einer Karte fest, dass meine Fahrradtour 70km weit war, nicht schlecht und ich war natürlich ziemlich alle. Da traf es sich hervorragend, dass die Jungs fein ausgehen wollten und mich mitnahmen. Wir gingen in den Mulanje Golf Club, der feinste Schuppen in ganz Mulanje. Eigentlich ist dieser nur für Mitglieder (reiche Teeplantagenbesitzer), aber die Jungs waren Mitglieder und so durfte auch ich mit rein. Der Club erinnerte mich eher an einen Jugendclub als an eine Nobeladresse, aber immerhin war ich zum ersten Mal in einem echten Club und dazu noch in einem, wo eine Cola-Rum unter einem Euro kostete.
Von Mulanje aus wollte ich dann eigentlich eine Nacht in Blantyre verbringen. Ich entschloss mich aber dazu direkt nach Salima zu fahren, wo ich noch einige Tage am See verbrachte, genauer gesagt im kleinen Fischerdorf Senga Bay. Genauso wie in Cap MacClear leben die sehr armen Dorfbewohner (die zum Großteil vom Fischfang leben) in der zweiten Reihe und am Seeufer reiht sich Lodge an Lodge. Da Salima aber auch nur eine Autostunde von Lilongwe entfernt ist, waren viele Backpacker Lodges ausgebucht und ich musste eine etwas teurere Unterkunft wählen. Deshalb blieb ich auch nur 3 anstatt 5 Tagen am See und nun bin ich wieder in Lilongwe und genieße meine letzten 5 Tage. Also dann bis dann, Freunde

Teeplantagen vor dem wolkenverhangenden Mulanje Massiv
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