Die vier Wochen sind um. Mein Aufenthalt in Afrika beendet. Ich fand, dass die Zeit wieder geflogen ist, aber hier werden mir sicherlich nicht alle zustimmen. Meine letzten Tage verbrachte ich noch mal im Büro und hatte noch ein sehr gehaltvolles Gespräch mit Mejn’s DOP (der ein ausgesprochener Handelsexperte ist). Er beantwortete all meine Fragen und brachte mich auf sehr sinnvolle Punkte, die ich gut in meiner kommenden Arbeit verwenden kann. Ich wollte aber nicht nur im Büro sitzen, deshalb bin ich auch noch durch Lilongwe gestreunt, bin ins City Centre gefahren, dorthin wo das Mejn Büro früher einmal war. Dort rennen immer noch dieselben Leute rum, dieselben Handyguthabenverkäufer, dieselben Souvenirhändler und auch meine alten Rastas, die ihren Lebensunterhalt mit dem Verkaufen von CDs verdienen, waren noch da. Alle erkannten mich wieder und so musste ich viele Fragen beantworten, wo ich denn die ganze Zeit über gesteckt habe.
Ich bin für die letzten Tage nicht noch mal zu Familie Chirombo gefahren, sondern bin in einem Backpacker Camp untergekommen. Dort war extrem viel los, und manchmal auch zuviel. Das Camp war gerammelt voll mit Reisenden, Freiwilligen und Studenten aus allen Teilen der Erde, na ja, hauptsächlich aus Amerika und Europa und auch viele Israelis. Ich schlief im Dorm, direkt neben der Bar und das bereute ich jeden Abend, denn im Camp gab es eine Busreisegruppe (so ein All-Inclusive Urlaub) aus den USA, bestehend aus sehr jungen Menschen. Ich hatte das Gefühl, das war eine Klassenfahrt. Jedenfalls betranken diese sich jeden Abend und gröllten, was das Zeug hielt. Es war kaum zum aushalten und ging immer bis tief in die Nacht. Ich hab mich direkt alt gefühlt. Aber die Einheimischen, die jeden Abend in der Campbar vorbeischauten, hat es gefreut. Sie versuchen nämlich junge Reisende abzuschleppen und ich habe beobachtet, mit Erfolg.
Jetzt sitze ich am Jomo Kenyatta Airport in Nairobi und ziehe mein Resümee. Ich bin übrigens mit zwanzig, sehr religiösen Pakistani hierher geflogen, die als einzige gefilzt worden sind am Flughafen Lilongwe. Dabei sehen sie, abgesehen von ihren muslimischen Gewändern und ihren langen Bärten, ganz und gar nicht gefährlich aus. Sie wirkten eher putzig, denn den Großteil der Zeit, sowohl in Lilongwe als auch in Nairobi, waren sie damit beschäftigt, darüber zu diskutieren, wo denn die Sonne aufgeht, damit sie wissen, in welche Richtung sie ihre Gebetsteppiche auslegen müssen. Zwanzig ältere Männer, die in einer Flughafenhalle hingiebig beten, sind ein köstlicher Anblick. Ich konnte mich nur mit Mühe zusammenreißen, sie nicht zu fotografieren. (kleiner Nachtrag: während in Lilongwe dieses Handgepäckscannergerät gar nicht funktionierte, alle manuell untersucht worden sind und ich sogut wie gar nicht, wurden in Amsterdam sogar meine Haare gefilzt. Dabei sind sie es doch schon. Ja, ich mag dieses Flughafenleben, wenn es doch nur nicht so teuer wäre. Aber trotzdem stehe ich immer gerne in den Duty Free Läden und schaue mir diese Holzkisten an, die man ab 1000€ aufwärts erwerben kann und dazu sogar noch ne Flasche Hennessy geschenkt bekommt.)
Apropros, wer großartige Fotos von mir erwartet, denn muss ich wieder enttäuschen. Ich fotografiere halt nicht gerne und außerdem muss man das „mit eigenen Augen gesehen haben, denn die Augen der anderen, das ist nicht dasselbe“ (Emile Ajar). Und genau dies hat diese Reise gerechtfertigt. Natürlich muss man sich nie dafür rechtfertigen, wenn man die Welt erkundschaftet. Aber meine Recherchensind jetzt eher mittelgut gelaufen, um es mal positiv auszudrücken. Ich habe einige Daten bekommen und habe mein Thema verfeinern können, doch ich gebe zu, dass ich dies auch in Deutschland zustande gebracht hätte. Aber so habe ich auch das passende Feeling bekommen und nebenbei wieder einige Abenteuer überstanden, denn „die eigenen Augen sind der beste Zeuge“.
Jetzt heißt es die gesammelte Motivation aufrecht zu erhalten, um die kommenden Abenteuer und Herausforderungen genauso fabulös zu überstehen. Ich sage Kwaheri, tinonana, bis zum nächsten mal, macht es gut. Ich melde mich, wenn ich wieder in Town bin.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen