Hallo Freunde,
im Land geht es mal wieder drunter und drüber. Ich habe ja schon öfter davon berichtet, welches die Hauptprobleme zur Zeit sind. Es gibt keinen Treibstoff, kein ausländisches Geld, um welchen zu kaufen oder um überhaupt etwas zu importieren. Die Regierung hat ein Gesetz veranlasst, welches den Ministern erlaubt, Zeitungen, die kritische Berichte über die Minister schreiben, zu schließen. Dazu kommt, dass die Demokratie auf lokaler Ebene komplett ausgesetzt ist. Alle vier Jahre werden lokale Kommissare gewählt. Zum letzten Mal wurden diese im Jahre 2000 gewählt. Der Präsident setzt zwar immer wieder Wahltermine an, aber kurz vor der Wahl fällt ihm dann doch ein, dass es jetzt doch noch nicht möglich sei und so verschiebt er die Wahlen erneut. Präsident Bingu wa Mutharika hat zudem auch seine Vizepräsidenten so gut wie entmachtet, was auch für einiges Aufsehen gesorgt hat. Der Grund dafür ist auch klar, beiden nächsten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2014 darf Bingu nach zwei absolvierten Amtszeiten nicht noch mal antreten und die Vizepräsidenten Joyce Banda wäre die aussichtsreichste Kandidatin seine Nachfolgerin zu werden. Das passt Bingu aber gar nicht, denn er möchte lieber, dass sein Bruder Peter Arthur wa Mutharika der nächste Präsident Malawis wird, dieser ist momentan Bildungsminister. Und um dies zu erreichen versuchen die beiden so gut wie alles. Momentan wird behauptet, dass Peter Arthur eigentlich Arthur Peter heißt, dann würde er nämlich auf den kommenden Wahlzetteln ganz oben stehen. Klar verärgert das alles hier viele viele Menschen. Die Zivilgesellschaftsorganisationen wollten ja vor drei Wochen gegen diese Missstände demonstrieren. Doch war es eher ein Aufmarsch an hochbewaffneten Polizisten und Soldaten als eine Demonstration. Nun jedoch hat der Präsident dem ganzen noch eine Krone aufgesetzt. Am Sonntag hat er bei einer Ansprache, die live im Fernsehen und im Radio übertragen wurde, mitgeteilt, dass er es leid sei, sich immer wieder rechtfertigen zu müssen. In sehr energischem Tonfall forderte er seine Anhänger, ihn in den Straßen zu verteidigen und für ihn gegen seine Kritiker zu kämpfen. Dabei verwies er auf die Jungen Pioniere der MCP (regierte mit Staatsgrüner Kamuzu Banda von 1964 bs 1994) und auf die Jungen Demokraten der UDF (regierte mit Präsident Muluzi von 1994-2004). Diese hatten für ihre Parteien auf den Straßen gekämpft. Und wie...teilweise haben sie regelrechte Blutbäder unter Oppositionellen angerichtet. Natürlich ist die Aufregung riesengroß. Der Präsident ruft öffentlich zur Gewalt gegen seine eigene Bevölkerung auf. Er wird nun auf den Straßen schon als neuer Gadaffi gehandhabt. Seine Partei ruderte am nächsten Tag schnell zurück und behauptete, dass der Präsident mit dem Ausdruck „für ihn kämpfen“ eine intellektuelle Diskussion meint. Auch der Präsident ruderte gestern etwas zurück und meinte, er habe niemals etwas von Gewalt gesagt. Der Ton macht die Musik.
Aber anstatt sich um die Probleme zu kümmern (sie werden erst mal alle gründlich untersucht, was natürlich zeitintensiv ist), werden ganz andere fantastische Gesetze verabschiedet. So ist es nun zum Beispiel gesetzlich verboten in der Öffentlichkeit zu pupsen. Das soll dazu beitragen, dass die Luft in Malawi besser wird....Mir wäre es sinnvoller erschienen, zu verbieten, dass Müll überall hingeschmissen werden kann (Lilongwe ist schon ziemlich dreckig). Aber ich hab ja keine Ahnung von der großen Politik....
Ich habe euch ja auch berichtet, dass bei den Chirombos, meiner Familie, nun täglich gesungen wird. Gestern kam ich dann aus dem Büro nach Hause und Papa Joseph empfing mich, gekleidet im Anzug, in der Tür. Er teilte mir aufgeregt mit, dass sich ihre Gebetsrunde heute bei ihnen trifft. Ich war herzlich einzuladen daran teilzunehmen, ich sollte sogar! Also nahm ich teil. Mit meinen Chichewa-Kenntnissen brachte ich alle zum lachen und klatschen und Papa Joseph ließ es sich nicht nehmen, mich jedem Gast einzeln vorzustellen. Alles mit einem fettem Grinsen, das mitteilte „Seht her, bei mir im Haus wohnt sogar ein Weißer!!“. Ich saß also zwischen all den älteren Herrschaften und hörte mir ihre Gebete an, alles auf Chichewa. Anschließend wurde gesungen. Der nette ältere Herr neben mir ließ mich mit in sein Gesangsbuch gucken und weil mich alle so erwartungsvoll anschauten, sang ich halt lautstark mit. Ich wusste zwar nicht, was ich da grade sind. Aber der Ton macht die Musik.
Heute ist nun mein letzter Abend bei den Chirombos. Ab morgen werde ich wieder auf Tour sein. Es geht zuerst nach Blantyre, der Wirtschaftsmetropole Malawis. Dann geht es weiter südlich zu den Mulanje Mountains. Dies ist ein riesiges, wohl sehr beeindruckendes Bergmassiv, mit einem der höhsten Berge Afrikas, alles umrundet von riesigen Teeplantagen. Und dann geht es zur südlichsten Stadt Malawis, nach Nsanje. Dort gibt es eigentlich nichts außer Hitze (es ist auch die wärmste Stadt Malawis) und einen riesigen Binnenhafen. Das ist ein großes Projekt der Regierung, um Transportkosten der Exporte um bis zu 60% zu reduzieren und somit irgendwie wichtig für meine Recherchen. Ich bin wahrscheinlich der einzige Tourist, der sich den Hafen angucken will und sich darauf auch noch freut. Wenn es dann wieder zurück nach Lilongwe geht, ist mein diesmaliger Malawiaufenthalt auch schon wieder so gut wie vorüber, denn heute ist Halbzeit.
Also passt auf euch auf! Ich melde mich demnächst wieder und werde auch berichten, wie sich das Leben als Couchsurfer so anfühlt, auch wenn ich immer noch nicht so recht daran glauben kann, dass dies doch endlich mal funktioniert und dann auch noch hier in Malawi.
Bis dahin, lasst euch noch gesagt haben, wenn ihr den leckeren Chambo mal verspeisen solltet, passt darauf, dass ihr die Flossen nicht mitesst. Diese schmecken echt grauenhaft und man wird diesen Geschmack nicht mehr los. Außerdem sollte man darauf achten, welche Stücke man nimmt, wenn ein ganzes Huhn geschlachtet wird und es dies zum Essen gibt. Empfehlenswert sind Brust und Schenkel. Eher ekelhaft sind Füße (samt Krallen) und Hals/Kopf....
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