Am Kenyatta International Airport Nairobi angekommen, war es dann soweit: ich zog Jacke und Pullover aus und spazierte im T-Shirt umher. Es war bereits nach 21Uhr, aber die Außentemperatur betrug noch 25°Celsius. Doch ich kam ja gar nicht nach außen, ich war ja im Gebäude gefangen.
Was macht man also 12Stunden auf einem Flughafen, der immer menschenleerer wurde?
Als erstes bestaunte ich Flaschen in den Duty Free Läden, die ich mir eh nicht leisten konnte, dann besorgte ich mir ein klitzekleines Getränk, welches ich mir leisten konnte und machte es mir auf dem aus dem Flugzeug geklauten Decken gemütlich. Das ging echt super und ich schlief ziemlich fest, zumindest solange bis der Flughafen nicht mehr menschenleer war und eine Traube sonnenverbrannter, englischer Safaritouristen, um das auf dem blanken Fußboden liegende Rastatier stand. Hätt ich doch nur mal einen Hut aufgestellt.
Der letzte Flug von Nairobi nach Lilongwe führte dann wieder einmal am Kilimandscharo vorbei, der wirklich unglaublich beeindruckend aussieht, selbst aus einem Flieger. Ich ärgerte mich, dass ich kein Foto machte.
Und dann war es soweit. Ich habe die gesamte Zeit überlegt, mit welchem kessen Knallerspruch ich alle begrüße. Ich habe mich letztendlich für „Es hat sich ja gar nichts verändert, bis auf die Flagge.“ entschieden.
Wie ja alle wissen, wurde die malawische Nationalflagge im letzten Jahr geändert. Die beiden oberen Farbstreifen wurden vertauscht und anstatt einer aufgehenden Sonne ist nun eine vollscheinende Sonne in der Mitte. Dies soll die Entwicklung des Landes zeigen, weg vom Entwicklungsland...dass Malawi immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, hat/wollte His Excellency, the State President, Ngwazi Prof. Bingu wa Mutharika (wie der Präsident Malawis offiziell genannt wird) dabei aber nicht bedacht. Die Flagge wurde geändert, alle waren dagegen, das Unterfangen hat ziemlich viel Geld gekostet und das Zeigen der alten Flagge ist nun unter Strafe verboten.
Aber schon beim Anflug auf den kleinsten internationalen Flughafen, den ich je gesehen habe (ich glaube, selbst der Flughafen Gatow ist größer), musste ich feststellen, dass mein kesser Knallerspruch gar nicht stimmt. Ich habe das Land erst gar nicht wiedererkannt. Die mir so im Gedächtnis gebliebene rote Erde war auf einmal grün, und zwar soweit das Auge reichte. Wir haben hier gerade das Ende der Regenzeit und alles und jeder blüht und ist am Wachsen.
Nach Überwindung der Einreisekontrolle in Rekordzeit stand ich am Gepäckband und überlegte, was bei einer 26 Stunden Reise wohl alles schief gehen kann bei der Gepäckbeförderung. Panik stieg langsam in mir auf und wurde immer stärker, wenn ein anderer Reisender glücklich sein Gepäck vom Band pflückte. Als Vorletzter am Band kam dann doch die Erlösung in Form meines Rucksackes.
Mit einer halben Stunde Verspätung wurde ich dann sogar vom Flughafen abgeholt. Ich muss mich erst wieder dran gewöhnen TIA, this is Africa, und hier herrscht eben African Time.
Trotzdem das ganze Land Flagge und Farbe geändert hat, erkannte ich auf dem Weg in die Stadt vieles wieder und Erinnerungen kamen hoch. Überall wächst hier nun der Mais, selbst auf kleinster Fläche zwischen Wand und Wand ist sicherlich noch Platz für eine Maistaude.
Als erstes ging es ins Mejn Büro. Auch dieses hat sich verändert. Vom geschäftigen City Center sind die alten Kampanions in die Altstadt in ein weit größeres Büro gezogen. Manche wussten gar nicht, dass ich wieder im Lande bin und so gab es Freude und überraschte Gesichter und Dalitso, der nun Chef bei Mejn ist, erzählte von seinem Treffen mit dem Präsidenten His Excellency, the State President, Ngwazi Prof. Bingu wa Mutharika.
Später ging es dann weiter zu meiner Unterkunft in Lilongwe, zum Anwesen der Familie Chirombo. Auch hier hat sich einiges verändert. Joseph hat immer noch seinen Kullerbauch, der scheinbar, so wie auch die restliche Familie, etwas zugenommen hat, aber in der Einfahrt steht ein neuer Wagen, ein alter Toyota. Den musste er sich kaufen, weil sein dicker Mercedes Benz, den er sich aus UK schicken lassen hat, als ich das letzte Mal hier war, kaputt ist und irgendwie auch unreparierbar zu sein scheint. Ich musste mir leicht auf die Zunge beißen, als er mir dies erzählte, um nicht zu grinsen. Im Haus wohnen nun auch eine weitere Tochter Josephs, die aus Botswana nach Hause gekehrt ist, mit ihren beiden Kindern und so lernte ich auch Joseph den Dritten kennen. Die beiden Kleinen (3 und 6 Jahre alt) waren zu Beginn noch etwas schüchtern, aber sie haben sie sehr schnell an den Gast im Hause gewöhnt und wollen nun alles über ihn wissen. Zum Beispiel, warum ich weiß bin....
Auch mein altes Zimmer hat sich nur gering verändert und als ich später im Bett lag und an die Decke starrte, sah ich dort schwarzes Gaffer kleben. Ich wunderte mich, was dies bedeuten soll, bis mir einfiel, dass es Überbleibsel von meiner raffinierten Moskitonetzanbringvorrichtung waren, die niemand (auch ich damals nicht) entfernt hat.
Nun habe ich bereits mein erstes Wochenende hinter mich gebracht und habe die Zeit mit einigen Streifzügen durch die Stadt verbracht und konnte mich so wieder etwas an Malawi gewöhnen. Ja, mich neu an alles gewöhnen, musste ich. Irgendwie war mein Kopf noch vollkommen auf Südafrika eingestellt. Aber dies hier ist Malawi und das sind dann schon wieder zwei Paar Schuhe, denn man kann beide Länder einfach nicht miteinander vergleichen. Noch weniger kann man Lilongwe und Johannesburg miteinander vergleichen. Während Johannesburg eine lärmende, multikulturelle, (teilweise gefährliche), Smog- und Dreck-verpestete Großstadt ist, ist Lilongwe eher ein größeres, verschlafenes Dorf, in dem die Uhren einfach anders ticken, wenn sie denn überhaupt Batterien haben, um überhaupt zu ticken...Es gibt hier nun auch einen südafrikanischen Hier-gibt’s-alles Großmarkt, mit einem Warenangebot vom Flachbildschirm bis hin zu Red Bull. Aber im Markt trifft man dann mehr Verkäufer als Kunden, denn wer in Malawi kann sich das leisten? Alle Produkte sind fast doppelt so teuer wie in Deutschland. Und deshalb heißt es, Abschied nehmen vom luxuriösen Wohlstandsleben. Hier kommt man halt mit dem aus, was man hat, bzw. wenn man es nicht hat.
Pünktlich zu meiner Ankunft hier, gab der Präsident gleich eine Party. Aber nicht wegen mir (wie man eigentlich hätte erwarten können), sondern er feierte seinen Geburtstag nach. Dazu verließ der feine Herr am Samstag dann seinen Palast (in Sichtweise meines Zimmers) und führ ins Silver Stadium, um dort seinen Kuchen anzuschneiden. Die Strecke, die er wählte erkennt man leicht, man muss nur den Poster am Straßenrand, welche da an Bäumen und Laternen kleben, folgen. Die Poster wünschen dem Präsidenten „Alles Gute“ und wurden ganz bestimmt von treuen Untertanen angebracht und nicht etwas von schleimenden Staatsapparatsmitarbeitern. Schleimer werden ja überall nicht gerne gesehen....Deshalb sind all die Anzeigen in den Zeitungen, die dem Präsidenten beglückwünschen, sicherlich auch aus tiefen Herzen. Vor lauter Anzeigen sind dann kaum noch Zeitungsberichte übrig. Aber was soll man auch schreiben? Während Deutschlands Zeitungen voll von Finanzkrisen und Plagiatsaffären sind, Südafrikanische Schlagzeilen beantworten, wer wo wen und warum umgebracht und ausgeraubt hat, geht es hier doch noch um wahre Politik (Wo ist das Geld für den Bau des Schulgartens von Thyolo geblieben?) und wahre Verbrechen (Streunende Hunde griffen Frau an.)
Heute nun beginnt der Grund, warum ich hergekommen bin, ich starte meine Recherchen. Aber irgendwie werde ich das ungute Gefühl nicht los, dass ich mir das einfacher vorgestellt habe, als es jetzt wird. Klinken putzen und nach Daten betteln wird kaum möglich sein. Das liegt einerseits natürlich daran, dass es meistens nur eine Person gibt, die Daten kennt und hat und einen solchen Vorteil gibt niemand gerne an ein vorbeikommendes Rastatier ab, da kann der noch so freundlich „Muli bwanji?“ sagen und andererseits gibt es auch logistische Probleme. Ohne ein Auto bin ich halt doch nur auf die lokalen Minibusse angewiesen und mit denen zu Orten zu fahren, wo man sich nicht ganz so gut auskennt, kann sehr kompliziert und aufregend sein. Apropros Minibusse, was ist es wieder lustig in überfüllten Minibussen, die beinahe auseinanderfallen, wenn man sie etwas strenger anschaut. Geändert hat sich also nur der Preis. Seit meinem letzten Aufenthalt sind die Preise um 20 Kwacha gestiegen. Das sind ca 10cent. Und das ist schon sehr viel, deshalb sieht man mehr Leute zur Arbeit laufen...
die kleine Carla im Selbstportraet

